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Land · Mercosur

Brasilien:
Was EU-Kunden erwarten

Seit Januar 2026 gilt Brasilien in der EU als Land mit angemessenem Datenschutz. Das erleichtert Datenflüsse, ersetzt aber keine Nachweise zur IT-Sicherheit, zur Entwaldung oder zu Emissionen.

DatenschutzLGPD, Lei 13.709/2018
EU-Angemessenheitja, seit 01/2026
Abkommen mit der EUEU-Mercosur, vorläufig seit 01.05.2026
Cybersicherheitkein Querschnittsgesetz, PL 4.752/2025 offen

Überblick: Handel mit der EU

Brasilien ist der größte Handelspartner der EU in Südamerika. Laut Europäischer Kommission entfielen 2025 rund 42 % der brasilianischen Exporte in die EU auf Agrarprodukte und 27 % auf Brennstoffe und Bergbauprodukte, vor allem Rohöl, daneben Eisenerz. Wer Soja aus Paraná, Kaffee aus Minas Gerais oder Zellstoff aus Mato Grosso do Sul nach Rotterdam oder Hamburg liefert, bekommt es deshalb zuerst mit Lieferkettenregeln wie der EUDR zu tun. Stahl- und Aluminiumexporteure betrifft der CBAM.

Dazu kommt ein wachsender Dienstleistungsexport: Softwarehäuser in São Paulo, Florianópolis oder Recife entwickeln für Banken, Versicherer und Industriekunden in Europa. Für sie zählen Datenschutz und IT-Sicherheit mehr als Zölle.

Datenschutz: LGPD im Vergleich zur DSGVO

Die LGPD (Lei nº 13.709/2018) gilt seit September 2020, Sanktionen verhängt die ANPD seit August 2021. Sie ist der DSGVO nachgebaut: Rechtsgrundlagen für jede Verarbeitung, Betroffenenrechte, ein Datenschutzbeauftragter (encarregado), Folgenabschätzungen und Meldepflichten bei Sicherheitsvorfällen. Wer die LGPD sauber umsetzt, hat einen großen Teil der DSGVO-Pflichten bereits erledigt.

Seit Januar 2026 gibt es zudem einen Angemessenheitsbeschluss der EU (Durchführungsbeschluss (EU) 2026/179). Die Anerkennung ist gegenseitig: Die ANPD hat mit der Resolução CD/ANPD nº 32/2026 die EU ebenfalls als angemessen eingestuft. Für Ihre EU-Kunden heißt das, dass personenbezogene Daten ohne Standardvertragsklauseln und ohne Transfer-Folgenabschätzung nach Brasilien fließen dürfen. Ausgenommen sind nur Übermittlungen zu Zwecken der öffentlichen Sicherheit und Strafverfolgung.

Angemessenheit regelt nur den Datentransfer. Wenn Sie für einen EU-Kunden Daten verarbeiten, brauchen Sie weiterhin einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO und müssen Ihre technischen und organisatorischen Maßnahmen belegen.

Zwei Unterschiede fallen in der Praxis auf. Die LGPD kennt zehn Rechtsgrundlagen, darunter den Kreditschutz, die DSGVO sechs. Und die Meldefrist für Datenpannen ist in Werktagen bemessen, nicht in Stunden. Wer beide Regime bedient, richtet seine Prozesse am besten an der kürzeren Frist aus.

Cybersicherheit im Vergleich zu NIS2

Ein Gesetz, das wie NIS2 Pflichten für ganze Sektoren festlegt, hat Brasilien noch nicht. Das Decreto nº 11.856/2023 begründet die nationale Cybersicherheitspolitik (PNCiber) und ein Komitee (CNCiber), schafft aber keine Aufsichtsbehörde mit Durchgriff auf Unternehmen. Der Entwurf eines Marco Legal da Cibersegurança (PL 4.752/2025) liegt im Senat. Offen ist vor allem, ob eine neue Agentur oder die Anatel die Aufsicht übernimmt.

Verbindliche Vorgaben gibt es bisher sektoral. Banken müssen nach der Resolução CMN nº 4.893/2021 eine Cybersicherheitspolitik haben, Cloud-Auslagerungen steuern und relevante Vorfälle der Banco Central melden. Für Zahlungsinstitute gilt Entsprechendes nach der Resolução BCB nº 85/2021.

Für Lieferanten europäischer Kunden ist das zweitrangig. Ihr Kunde in der EU muss nach NIS2 die Sicherheit seiner Lieferkette steuern und gibt diese Pflicht per Vertrag an Sie weiter. Wer Software an Finanzunternehmen in der EU liefert, bekommt außerdem Klauseln aus DORA in den Vertrag, und Hersteller vernetzter Produkte fallen unter den Cyber Resilience Act.

Meldefristen im Vergleich

AnlassBrasilienEU
Datenpanne an die Aufsicht3 Werktage ab Kenntnis, bei relevantem Risiko (Res. CD/ANPD 15/2024); Kleinunternehmen doppelte Frist72 Stunden (Art. 33 DSGVO)
Information der Betroffenenebenfalls 3 Werktageunverzüglich bei hohem Risiko (Art. 34 DSGVO)
Erheblicher Cybervorfallkein allgemeines Gesetz; Banken melden an die Banco Central24 h Frühwarnung, 72 h Meldung, Abschlussbericht nach einem Monat (Art. 23 NIS2)

Die ANPD-Regel verlangt außerdem, dass Sie Vorfälle dokumentieren und diese Unterlagen fünf Jahre aufbewahren. Ein EU-Kunde wird in Ihrem Vertrag meist eine eigene Frist festlegen, oft 24 bis 48 Stunden, damit er seine 72 Stunden halten kann.

Behörden, CSIRT, Akkreditierungsstelle

BereichStelle
DatenschutzANPD, Autoridade Nacional de Proteção de Dados
Cybersicherheit BundGSI/PR mit CTIR Gov (Bundesverwaltung)
CSIRT der WirtschaftCERT.br beim NIC.br
FinanzsektorBanco Central do Brasil, Conselho Monetário Nacional
AkkreditierungINMETRO, Akkreditierung durch die Cgcre

Zertifikate von Stellen, die die Cgcre akkreditiert hat, werden in der EU in der Regel anerkannt, weil die Cgcre den internationalen Anerkennungsabkommen der Akkreditierer angehört. Fragen Sie trotzdem vor dem Audit, ob Ihr Kunde einen bestimmten Zertifizierer verlangt.

Was EU-Kunden typischerweise verlangen

Für Agrar- und Rohstoffexporteure steht die EUDR im Vordergrund. Ihr Abnehmer braucht die Geodaten Ihrer Flächen und den Nachweis, dass dort nach dem 31.12.2020 nicht entwaldet wurde. Brasilien ist in der EUDR als Land mit Standardrisiko eingestuft. Damit gilt die volle Sorgfaltspflicht; die vereinfachte Sorgfaltspflicht nach Art. 13 gibt es nur für Länder mit geringem Risiko. In der Lebensmittelkette kommen Zertifikate nach IFS, BRCGS oder FSSC 22000 dazu.

Software- und IT-Dienstleister werden meist mit einem Sicherheitsfragebogen konfrontiert, der sich an NIS2 und ISO 27001 orientiert. Typische Fragen: Wie schnell melden Sie einen Vorfall? Wer hat Zugriff auf Produktionsdaten? Gibt es Penetrationstests? Ein Zertifikat nach ISO 27001 beantwortet viele dieser Fragen auf einmal. Für den Aufbau des Managementsystems bis zum Audit gibt es GRC-Plattformen wie Sightadel, das in Deutschland gehostet wird und auch auf Portugiesisch nutzbar ist.

Viele Kunden prüfen auch von außen, was Sie im Internet zeigen: offene Ports, abgelaufene Zertifikate, alte Serverversionen. Wer das selbst laufend beobachtet, etwa mit veyrisk, kennt die Antwort, bevor der Fragebogen kommt.

Im Vertrag landen diese Anforderungen meist als Anhang: ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, eine Liste der technischen und organisatorischen Maßnahmen, Meldefristen für Vorfälle, Prüfrechte des Kunden und Regeln für Unterauftragnehmer. Weil Brasilien als angemessen gilt, entfallen die Standardvertragsklauseln. Den Rest verlangt Ihr Kunde trotzdem, und er wird ihn bei der Verlängerung erneut prüfen.

Ein sinnvoller Einstieg für brasilianische Unternehmen:

  1. Prüfen Sie, welche EU-Regeln Ihre Kunden betreffen, und fragen Sie aktiv nach den Anforderungen, statt auf den Fragebogen zu warten.
  2. Legen Sie Ihre LGPD-Dokumentation neben die DSGVO-Anforderungen. Verarbeitungsverzeichnis, Rechtsgrundlagen und Folgenabschätzungen lassen sich meist übernehmen.
  3. Richten Sie einen Meldeprozess ein, der die kürzeste vertragliche Frist schafft, und üben Sie ihn einmal im Jahr.
  4. Sammeln Sie für die EUDR Geodaten und Nachweise Ihrer Lieferanten, bevor der Abnehmer sie anfordert.
  5. Entscheiden Sie, ob ein Zertifikat nach ISO 27001 oder ein Lebensmittelstandard die Fragebögen Ihrer Kunden schneller beantwortet als jede Einzelauskunft.

Wo Sie heute stehen, zeigt der kostenlose EU-Readiness-Check.

Abkommen mit der EU

Das EU-Mercosur-Abkommen wurde am 17.01.2026 in Asunción unterzeichnet. Sein Handelsteil, das Interimshandelsabkommen, wird seit dem 01.05.2026 zwischen der EU und Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay vorläufig angewendet. Zölle sinken stufenweise, und Sie brauchen eine Ursprungserklärung, um die Präferenz zu nutzen. Das umfassende Partnerschaftsabkommen ist noch in der Ratifizierung.

Für die Praxis heißt das: Prüfen Sie für jede Ware den Zollsatz, den Zeitplan der Zollsenkung und die Ursprungsregel. Beides finden Sie im Portal Access2Markets der Europäischen Kommission, nach Warennummer sortiert. Bei verarbeiteten Waren entscheidet die Ursprungsregel, ob genug Wertschöpfung im Mercosur stattgefunden hat. Für einige Agrarprodukte gelten Zollkontingente, also begrenzte Mengen zum Vorzugszoll. Ihr Importeur in der EU kennt diese Regeln oft besser als Sie und kann helfen, die Ursprungserklärung richtig auf die Rechnung zu setzen. Halten Sie die Nachweise für den Ursprung mehrere Jahre bereit, denn der Zoll kann nachträglich prüfen.

Das Abkommen befreit nicht von EU-Recht. EUDR, CBAM, DSGVO und Produktvorschriften gelten für brasilianische Waren genauso wie für Waren aus jedem anderen Land.

FAQ

Brauchen EU-Kunden für Datentransfers nach Brasilien noch Standardvertragsklauseln?
Nein. Seit dem Angemessenheitsbeschluss (EU) 2026/179 vom Januar 2026 dürfen Daten ohne SCC nach Brasilien übermittelt werden. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag bleibt nötig, wenn Sie im Auftrag verarbeiten.
Gibt es in Brasilien ein Gesetz wie NIS2?
Noch nicht. Der Entwurf PL 4.752/2025 liegt im Senat. Bis dahin gelten sektorale Regeln, vor allem für Banken und Zahlungsinstitute.
Wie schnell muss ich eine Datenpanne der ANPD melden?
Innerhalb von drei Werktagen ab Kenntnis, wenn ein relevantes Risiko für Betroffene besteht (Resolução CD/ANPD 15/2024). Kleinunternehmen haben die doppelte Frist.
Senkt das EU-Mercosur-Abkommen meine Pflichten nach der EUDR?
Nein. Zollvorteile gibt es nur mit Ursprungsnachweis, die EUDR gilt unverändert. Mehr dazu auf der Seite zur EUDR.
Welche Werkzeuge helfen bei Sicherheitsfragebögen von EU-Kunden?
Fragebögen nach NIS2 oder ISO 27001 lassen sich schneller beantworten, wenn Richtlinien, Risiken und Nachweise an einem Ort liegen, etwa in Sightadel. Für die Fragen zu offenen Ports, Zertifikaten und Schwachstellen liefert veyrisk einen Bericht über Ihre von außen sichtbare Angriffsfläche.