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EU-Land · Nordwesteuropa

Irland:
Was irische Kunden erwarten

Viele internationale Tech- und Pharmakonzerne steuern ihr EU-Geschäft aus Irland. Wer ihnen Software oder Dienstleistungen liefert, hat es mit strengen Einkaufsregeln zu tun, obwohl Irland NIS2 noch nicht umgesetzt hat.

AmtssprachenIrisch, Englisch
Größter HafenDublin Port
NIS2nicht umgesetzt, National Cyber Security Bill in Vorbereitung
DatenschutzaufsichtData Protection Commission (DPC)
Mehrwertsteuer (Normalsatz)23 %

Irland als Markt für Südamerika

Für Warenexporteure aus Südamerika ist Irland ein vergleichsweise kleiner Markt. Dublin Port ist der größte Hafen des Landes; ein großer Teil der Seefracht kommt über Fähren und Kurzstreckenverkehre aus Großbritannien und vom Kontinent.

Interessant ist Irland für Dienstleister. Zahlreiche internationale Technologie-, Pharma- und Medizintechnikunternehmen haben ihren EU-Sitz oder große Standorte in Irland. Von dort aus vergeben sie Aufträge für Softwareentwicklung, Kundenservice, Datenverarbeitung und Inhaltsprüfung. Ein Callcenter in Bogotá, das spanisch- und portugiesischsprachige Kunden für ein Unternehmen in Dublin betreut, ist ein typisches Beispiel.

Weil Englisch Geschäftssprache ist, fällt der Einstieg leichter als in vielen anderen EU-Ländern. Die Anforderungen an Datenschutz und Sicherheit sind dafür hoch, denn die irischen Einheiten stehen unter Beobachtung der Aufsicht und ihrer Konzernzentralen.

Was überall in der EU gleich ist und was in Irland gilt

Zoll und Produktrecht sind EU-weit einheitlich; die Grundlagen stehen im Exportleitfaden. Zollbehörde ist die Steuerverwaltung Revenue. Ware, die über Großbritannien nach Irland kommt, verlässt seit dem Brexit die EU und muss bei der Einfuhr nach Irland erneut verzollt werden, es sei denn, sie bleibt unter Zollaufsicht im Transit.

Sprache: Etiketten und Anleitungen werden in Irland in der Praxis auf Englisch geführt. Die Lebensmittelinformationsverordnung (VO (EU) Nr. 1169/2011, Art. 15) erlaubt den Mitgliedstaaten, ihre Amtssprachen vorzuschreiben.

Mehrwertsteuer: Der Normalsatz liegt bei 23 %.

Verpackung: Für die Herstellerverantwortung bei Verpackungen ist in Irland Repak zuständig, die zugelassene Rücknahmeorganisation. Pflichtig ist, wer verpackte Ware auf den irischen Markt bringt, bei Importen in der Regel der Importeur. Seit dem 12.08.2026 gilt zusätzlich die EU-Verpackungsverordnung (VO (EU) 2025/40).

NIS2 in Irland

Irland hat NIS2 nicht fristgerecht umgesetzt. Veröffentlicht ist bisher nur der General Scheme of the National Cyber Security Bill 2024, der Entwurf der Eckpunkte vom 30.08.2024. Ein Gesetzentwurf lag dem Parlament am 11.10.2026 noch nicht vor; die Regierung führt ihn für den Herbst 2026 als vorrangig. Die Kommission hat Irland im Juli 2026 deshalb vor dem Gerichtshof der EU verklagt.

Bis dahin gelten die Regeln aus NIS1 (S.I. No. 360/2018) für die bereits benannten Betreiber wesentlicher Dienste. Künftig soll das National Cyber Security Centre (NCSC) zuständige Behörde und nationales CSIRT werden, daneben Sektoraufsichten wie die Central Bank of Ireland für Banken und die ComReg für digitale Infrastruktur. Ein Registrierungs- und Meldeportal gibt es laut NCSC erst nach Inkrafttreten des Gesetzes.

Am 07.10.2026 hat die Regierung die National Cyber Security Strategy 2030 veröffentlicht. Das NCSC hat zudem das belgische Rahmenwerk CyberFundamentals (CyFun) als nationales Bewertungsschema übernommen; Zertifizierungen soll es voraussichtlich ab 2027 geben. Ein CyFun-Nachweis gilt laut NCSC aber nicht als Beleg für die Einhaltung von NIS2.

Für Lieferanten ist der Verzug kaum spürbar. Konzerne mit Sitz in Irland setzen NIS2-Anforderungen konzernweit um, weil sie in anderen EU-Ländern bereits gelten. Finanzunternehmen sind zudem an DORA gebunden. Mehr unter NIS2.

Datenschutz und Lieferkette

Datenschutzaufsicht ist die Data Protection Commission (DPC). Weil viele große Technologieunternehmen ihre EU-Hauptniederlassung in Irland haben, ist die DPC nach dem Verfahren der zentralen Anlaufstelle für sie federführende Aufsicht in der ganzen EU. Ihre Entscheidungen haben deshalb Gewicht weit über Irland hinaus.

Für Sie folgt daraus: Wer für ein solches Unternehmen personenbezogene Daten verarbeitet, bekommt einen ausführlichen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, Standardvertragsklauseln für die Übermittlung, sofern Ihr Land keinen Angemessenheitsbeschluss hat, und regelmäßige Prüfungen.

Ein eigenes Lieferkettengesetz hat Irland nicht. Maßgeblich wird die europäische CSDDD.

Was irische Kunden typischerweise verlangen

Technologiekunden erwarten fast immer ein Zertifikat nach ISO 27001 oder einen SOC-2-Bericht, oft beides. Konzerne mit US-Mutter fragen eher nach SOC 2. Die Seite SOC 2 oder ISO 27001 hilft bei der Wahl. Wer beides braucht, kann die Kontrollen für SOC 2 und ISO 27001 in Sightadel nebeneinander führen. Den Bericht oder das Zertifikat erstellen am Ende ein unabhängiger Prüfer beziehungsweise eine Zertifizierungsstelle.

Pharma- und Medizintechnikkunden verlangen Qualitätsmanagement nach ISO 9001 oder branchenspezifischen Normen und prüfen Lieferanten vor Ort.

Dienstleister mit KI-Anteil, etwa bei Inhaltsprüfung oder Datenaufbereitung, bekommen zunehmend Fragen zur KI-Verordnung. Für diese Fragen gibt es in Sightadel eigene Frameworks zur KI-Verordnung und zu ISO 42001.

Ein sinnvoller Einstieg für Dienstleister irischer Kunden:

  1. Fragen Sie früh nach der Vertragsvorlage und dem Sicherheitsfragebogen des Konzerns; beide sind meist weltweit einheitlich.
  2. Prüfen Sie, ob Ihr Land einen Angemessenheitsbeschluss der EU hat. Sonst brauchen Sie Standardvertragsklauseln und eine Transfer-Folgenabschätzung.
  3. Entscheiden Sie zwischen SOC 2 und ISO 27001 nach dem, was Ihre wichtigsten Kunden verlangen.
  4. Richten Sie einen Meldeprozess für Datenpannen und Sicherheitsvorfälle ein, der die vertraglichen Fristen schafft.

Anlaufstellen

BereichStelle
HandelsagenturEnterprise Ireland, Büro in São Paulo für Lateinamerika
ZollRevenue (Irish Tax and Customs)
CybersicherheitNational Cyber Security Centre (NCSC)
DatenschutzData Protection Commission (DPC)
PartnersucheEnterprise Europe Network

Erste Kontakte laufen über das Büro von Enterprise Ireland in São Paulo und die irischen Botschaften in der Region.

FAQ

Gilt NIS2 in Irland schon?
Nein (Stand 11.10.2026). Der Gesetzentwurf National Cyber Security Bill ist noch nicht im Parlament. Bis dahin gelten die NIS1-Regeln für benannte Betreiber.
Warum ist die irische Datenschutzbehörde so wichtig?
Viele große Technologieunternehmen haben ihre EU-Hauptniederlassung in Irland. Die DPC ist deshalb für sie federführende Aufsicht in der ganzen EU.
Brauche ich für irische Kunden SOC 2 oder ISO 27001?
Das hängt vom Kunden ab. Unternehmen mit US-Mutter fragen häufig nach SOC 2, europäische eher nach ISO 27001. Viele akzeptieren beides.
Welche Mehrwertsteuer gilt in Irland?
Der Normalsatz beträgt 23 %.
Welches Werkzeug hilft bei Datenschutzprüfungen irischer Kunden?
Irische Kunden prüfen ihre Auftragsverarbeiter regelmäßig und wollen Maßnahmen, Unterauftragnehmer und Datenstandorte belegt sehen. Sightadel führt die DSGVO als Framework mit Vorlagen und Nachweisen. Die Plattform wird in Deutschland entwickelt und gehostet, die Daten bleiben in der EU.