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EU-Land · Mitteleuropa

Ungarn:
Strenger als die Richtlinie

Ungarn hat den höchsten Mehrwertsteuersatz der EU und ein Cybersicherheitsgesetz, das über NIS2 hinausgeht. Für Lieferanten aus Südamerika zählen vor allem die Autoindustrie und die Lebensmittelbranche.

AmtsspracheUngarisch
Seehafenkeiner (Binnenland)
NIS2-UmsetzungGesetz LXIX/2024, in Kraft seit 01.01.2025
DatenschutzbehördeNAIH
Mehrwertsteuer27 % Normalsatz

Ungarn als Markt für Südamerika

Ungarn ist stark in der Fahrzeugindustrie: Audi baut in Győr, Mercedes-Benz in Kecskemét, BMW in Debrecen. Dazu kommen Elektronik, Pharma und eine große Lebensmittelindustrie. Für Anbieter aus Südamerika sind das zwei Türen: Rohstoffe und Vorprodukte für die Industrie sowie Lebensmittel und Futtermittel für Verarbeiter und Handel. Zahlen zum Handel mit Ihrem Land finden Sie in der Außenhandelsdatenbank von Eurostat (Comext).

Ungarn liegt im Binnenland. Übersee-Ware kommt über Häfen an der Nordsee oder der Adria und dann per Bahn oder Lkw ins Land. Wo verzollt wird, legen Importeur und Spediteur fest.

Was überall in der EU gleich ist und was national gilt

Zoll und Produktrecht sind in der EU einheitlich. Ein Produkt, das in einem Mitgliedstaat rechtmäßig verkauft wird, darf grundsätzlich auch in Ungarn verkauft werden. Die Grundlagen erklärt der Leitfaden Exportieren in die EU.

Ungarn hat aber einige Eigenheiten:

  • Sprache: Produktinformationen für Verbraucher müssen auf Ungarisch vorliegen. Bei Importware reicht oft ein ungarischer Aufkleber über dem Originaletikett. Klären Sie mit Ihrem Importeur, wer ihn anbringt.
  • Verpackung: Seit dem 01.07.2023 ist die Abfallwirtschaft in einer Konzession an die MOHU MOL Hulladékgazdálkodási Zrt. vergeben. Hersteller und Erstinverkehrbringer zahlen im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung Gebühren an die MOHU. Für Getränkeverpackungen gibt es zusätzlich ein Pfandsystem.
  • Steuern: Der Normalsatz der Mehrwertsteuer liegt bei 27 %, dem höchsten Wert in der EU. Landeswährung ist der Forint (HUF).
  • Behörden: Zoll und Steuern liegen bei der Nemzeti Adó- és Vámhivatal (NAV).

Die 27 % Mehrwertsteuer schrecken viele Exporteure ab, treffen Sie im Geschäft mit Unternehmen aber selten direkt. Bei Waren zahlt der Importeur die Einfuhrumsatzsteuer beim Zoll und holt sie sich als Vorsteuer zurück. Bei Dienstleistungen an ungarische Unternehmen stellen Sie die Rechnung ohne ungarische Steuer aus; Ihr Kunde führt sie im Verfahren der Umkehr der Steuerschuld selbst ab (Art. 196 der Mehrwertsteuerrichtlinie). Anders ist es, wenn Sie direkt an Verbraucher verkaufen. Dann brauchen Sie in der Regel eine steuerliche Registrierung in der EU.

NIS2 in Ungarn

Ungarn hat NIS2 mit dem Gesetz 2024. évi LXIX. törvény Magyarország kiberbiztonságáról umgesetzt. Es gilt seit dem 01.01.2025; die Details stehen in der Regierungsverordnung 418/2024. (XII. 23.). Ein Änderungsgesetz hat den Anwendungsbereich mit Wirkung zum 06.01.2026 neu gefasst. Prüfen Sie deshalb immer die aktuelle Fassung.

Für Unternehmen der NIS2-Sektoren ist die Szabályozott Tevékenységek Felügyeleti Hatósága (SZTFH) zuständig. Nationales CSIRT ist das Nationale Cybersicherheitsinstitut (NKI) beim Nemzetbiztonsági Szakszolgálat. Betroffene Unternehmen müssen sich binnen 30 Tagen nach Aufnahme der Tätigkeit oder nach Eintritt in den Anwendungsbereich bei der SZTFH registrieren.

Das ungarische Gesetz verlangt mehr als die Richtlinie. Jedes elektronische Informationssystem muss in eine von drei Sicherheitsklassen eingestuft werden, und zugelassene Auditoren prüfen regelmäßig, ob die Maßnahmen umgesetzt sind. Dazu kommt eine jährliche Aufsichtsgebühr. Für Ihren Kunden ist das teuer und aufwendig, und er wird einen Teil davon an seine Dienstleister weitergeben. Wer etwa als IT-Dienstleister aus São Paulo Systeme für ein ungarisches Werk betreibt, sollte damit rechnen, dass der Auditor auch nach Ihren Prozessen fragt.

Halten Sie für solche Prüfungen eine Liste Ihrer Unterauftragnehmer, Ihre Regeln für Zugänge und Belege für Datensicherungen bereit. Auf Englisch genügt das meist für den ersten Schritt. Fragt der Auditor weiter, hilft eine Plattform, in der Maßnahmen und Nachweise geordnet vorliegen. Sightadel enthält NIS2 und ISO 27001 als Frameworks mit Audit-Vorbereitung und ist auf Englisch nutzbar.

Datenschutz und Lieferkette

Es gilt die DSGVO. Aufsichtsbehörde ist die Nemzeti Adatvédelmi és Információszabadság Hatóság (NAIH) in Budapest. Verarbeiten Sie personenbezogene Daten für einen ungarischen Kunden, brauchen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO und, ohne Angemessenheitsbeschluss für Ihr Land, Standardvertragsklauseln.

Ein eigenes Lieferkettengesetz hat Ungarn nicht. Die großen deutschen Hersteller im Land wenden aber ihre Verhaltenskodizes für Lieferanten an und setzen sie per Vertrag durch. Was auf EU-Ebene gilt, lesen Sie bei der CSDDD.

Was ungarische Kunden typischerweise verlangen

In den Werken von Audi, Mercedes-Benz und BMW und bei ihren Zulieferern ist TISAX der übliche Nachweis für Informationssicherheit. Qualitätsseitig gehören ISO 9001 und in der Autoindustrie IATF 16949 zum Standard.

Wenn Sie Lebensmittel liefern, etwa Fruchtkonzentrat aus Chile oder Fleisch aus Uruguay, fragen Verarbeiter und Handelsketten nach Zertifikaten wie IFS oder BRCGS (Lebensmittelsicherheit). IT-Dienstleister werden nach ISO 27001 gefragt, zumal ungarische Kunden selbst unter die Auditpflicht fallen können.

Anlaufstellen

  • Die ungarische Exportagentur HEPA arbeitet mit dem Netz der Wirtschaftsattachés des Außenministeriums und mit dem Enterprise Europe Network.
  • Die Magyar Kereskedelmi és Iparkamara (MKIK) ist die nationale Industrie- und Handelskammer.
  • Die ungarischen Botschaften in Südamerika vermitteln Kontakte zu Behörden und Verbänden.
  • Für Zollfragen ist die NAV zuständig.

FAQ

Warum ist die Mehrwertsteuer in Ungarn so hoch?
Ungarn hat mit 27 % den höchsten Normalsatz der EU. Für Sie als Lieferant an Unternehmen ändert das meist wenig, weil Ihr Kunde die Steuer als Vorsteuer abzieht.
Was ist an der ungarischen NIS2-Umsetzung besonders?
Informationssysteme müssen in Sicherheitsklassen eingestuft und von zugelassenen Auditoren geprüft werden. Zuständig für Unternehmen ist die SZTFH.
Müssen Etiketten auf Ungarisch sein?
Ja, für Verbraucherprodukte. Bei Importen reicht oft ein ungarischer Aufkleber über dem Originaletikett.
Wie bereite ich mich auf den Auditor meines ungarischen Kunden vor?
Der Auditor prüft die Maßnahmen Ihres Kunden und fragt dabei auch nach dessen Dienstleistern. Neben Ihren Unterlagen hilft ein Beleg, was von Ihren Systemen aus dem Internet sichtbar ist. veyrisk prüft diese externe Angriffsfläche und erstellt einen Bericht, den Sie vorlegen können.