Zum Inhalt springen

EU-Land · Westeuropa

Belgien:
Was belgische Kunden erwarten

Belgien hat NIS2 früh umgesetzt und verlangt von wesentlichen Einrichtungen eine Konformitätsbewertung nach CyberFundamentals oder ISO 27001. Das spüren Lieferanten in Fragebögen. Für Frischware aus Lateinamerika ist Antwerpen-Brügge ein Haupteingang in die EU.

AmtssprachenNiederländisch, Französisch, Deutsch
Wichtigster SeehafenAntwerpen-Brügge
NIS2Gesetz vom 26.04.2024, in Kraft seit 18.10.2024
DatenschutzaufsichtDatenschutzbehörde (GBA/APD)
Mehrwertsteuer (Normalsatz)21 %

Belgien als Markt für Südamerika

Der Hafen Antwerpen-Brügge hat 2025 einen Rekord bei Kühlcontainern gemeldet: 1,17 Mio. TEU. Rund 90 % der gekühlten Importe sind laut Hafenbetrieb frische Ware wie Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch, die meisten davon aus Lateinamerika. Bananen aus Ecuador, Trauben aus Chile oder Avocados aus Peru kommen also oft über Antwerpen in die EU und werden von dort in die Nachbarländer verteilt.

Daneben ist Antwerpen ein großer Standort für Kaffee und für die Chemieindustrie. Belgische Kunden sind deshalb häufig Importeure und Verteiler für ganz Westeuropa. Ihre Anforderungen richten sich nach den strengsten Abnehmern, die sie beliefern.

Brüssel ist außerdem Sitz der EU-Institutionen und vieler Verbände. Für Dienstleister aus Südamerika bedeutet das Ausschreibungen und Kunden, die mit EU-Recht täglich arbeiten und entsprechend genau nachfragen.

Was überall in der EU gleich ist und was in Belgien gilt

Zoll und Produktrecht sind EU-weit einheitlich; Einzelheiten stehen im Exportleitfaden. Zuständig für die Einfuhr ist die Allgemeine Verwaltung Zoll und Akzisen des Föderalen Öffentlichen Dienstes Finanzen.

Sprache: Belgien hat drei Amtssprachen. Welche auf Etikett und Anleitung stehen muss, hängt vom Produkt und vom Vertriebsgebiet ab. Die Lebensmittelinformationsverordnung (VO (EU) Nr. 1169/2011, Art. 15) erlaubt den Mitgliedstaaten, ihre Amtssprachen vorzuschreiben. Klären Sie die Sprachfassung mit Ihrem Importeur, bevor Sie Etiketten drucken. Für Ware, die über Antwerpen nur durchläuft, zählt das Zielland.

Mehrwertsteuer: Der Normalsatz liegt bei 21 %.

Verpackung: Wer verpackte Ware als Hersteller oder Importeur auf den belgischen Markt bringt, gilt als Verpackungsverantwortlicher. Er muss jährlich Mengen an die Interregionale Verpackungscommissie (IVCIE) melden. In der Praxis geschieht das über Fost Plus für Haushaltsverpackungen und Valipac für gewerbliche Verpackungen. Bei Lieferungen an einen belgischen Importeur ist er der Verpflichtete. Seit dem 12.08.2026 gilt zusätzlich die EU-Verpackungsverordnung (VO (EU) 2025/40).

NIS2 in Belgien

Belgien war eines der ersten Länder mit einem NIS2-Gesetz. Das Gesetz vom 26.04.2024 zur Festlegung eines Rahmens für die Cybersicherheit von Netz- und Informationssystemen von allgemeinem Interesse für die öffentliche Sicherheit gilt seit dem 18.10.2024. Ein Königlicher Erlass vom 09.06.2024 regelt die Einzelheiten.

Zuständig ist das Centre for Cybersecurity Belgium (CCB). Es ist zugleich nationales CSIRT und nimmt Meldungen entgegen. Die Fristen entsprechen der Richtlinie: Frühwarnung in 24 Stunden, Meldung in 72 Stunden, Abschlussbericht nach einem Monat. Die Registrierungsfristen sind seit März 2025 abgelaufen.

Die belgische Besonderheit ist die Konformitätsbewertung. Wesentliche Einrichtungen müssen sich nach dem CCB-Rahmen CyberFundamentals (CyFun) oder nach ISO/IEC 27001 zertifizieren lassen oder sich vom CCB prüfen lassen. Die nächste Stufe ist bis zum 18.04.2027 fällig. Wer zertifiziert ist, gilt bis zum Beweis des Gegenteils als konform. Für Sie heißt das: Belgische Kunden prüfen ihre Lieferanten oft anhand von CyFun-Kontrollen oder ISO 27001. Ein eigenes Zertifikat nach ISO 27001 passt genau in dieses Raster. Die allgemeinen Pflichten erklärt die Seite NIS2.

Die Bußgelder entsprechen der Richtlinie: bis 10 Mio. EUR oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes für wesentliche Einrichtungen, bis 7 Mio. EUR oder 1,4 % für wichtige. Die Leitungsorgane müssen die Maßnahmen billigen und sich schulen lassen.

Datenschutz und Lieferkette

Die Datenschutzbehörde heißt auf Niederländisch Gegevensbeschermingsautoriteit (GBA), auf Französisch Autorité de protection des données (APD). Sie überwacht die DSGVO für Unternehmen im ganzen Land.

Ein eigenes Lieferkettengesetz wie in Deutschland oder Frankreich hat Belgien nicht erlassen. Es gibt einen nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte, der nicht bindend ist. Verbindlich wird die europäische CSDDD, die bis 2028 umzusetzen ist. Große belgische Händler und Lebensmittelkonzerne fragen trotzdem schon heute nach Sozialstandards und Herkunft.

Was belgische Kunden typischerweise verlangen

Im Fruchthandel sind GLOBALG.A.P. für die Erzeugung und ein GFSI-anerkannter Standard wie BRCGS oder IFS für Packhäuser üblich. Belgische Verteiler beliefern oft Supermärkte in mehreren Ländern und verlangen deshalb das Zertifikat, das ihr anspruchsvollster Abnehmer fordert. Mehr unter Lebensmittelsicherheit.

Für Kaffee und Kakao kommen die Nachweise für die EUDR hinzu, für Chemie und Metalle die Angaben für den CBAM.

IT-Dienstleister bekommen Fragebögen, die sich an CyFun anlehnen. Wer die Kontrollen der Stufe „Basic“ oder „Important“ kennt, kann sie schneller beantworten. Viele CyFun-Kontrollen überschneiden sich mit den Maßnahmen aus ISO 27001. Wer sein ISMS ohnehin dokumentiert, zum Beispiel mit Sightadel, findet die Antworten meist schon in den eigenen Richtlinien und Nachweisen.

Ein sinnvoller Einstieg für Lieferanten belgischer Kunden:

  1. Fragen Sie, ob Ihr Kunde wesentliche oder wichtige Einrichtung ist und welchen Rahmen er nutzt, CyFun oder ISO 27001.
  2. Gleichen Sie Ihre Sicherheitsmaßnahmen mit den Kontrollen dieses Rahmens ab.
  3. Klären Sie Sprachfassung des Etiketts und Verpackungsmeldung mit dem Importeur.
  4. Halten Sie Zertifikate für Lebensmittelsicherheit und EUDR-Unterlagen bereit, bevor der Fragebogen kommt.

Anlaufstellen

BereichStelle
Bilaterale KammerBelgalux, Belgisch-Luxemburgisch-Brasilianische Handelskammer in São Paulo
ZollFÖD Finanzen, Allgemeine Verwaltung Zoll und Akzisen
CybersicherheitCentre for Cybersecurity Belgium (CCB)
DatenschutzGegevensbeschermingsautoriteit / Autorité de protection des données
VerpackungIVCIE, Fost Plus, Valipac
PartnersucheEnterprise Europe Network

Außenwirtschaft ist in Belgien Sache der Regionen. Für Kontakte zu belgischen Käufern sind die Handelsabteilungen der Botschaften und die regionalen Agenturen in Flandern, Wallonien und Brüssel zuständig.

FAQ

Muss ich als Lieferant eines belgischen Kunden CyFun-zertifiziert sein?
Nein, die Pflicht trifft wesentliche Einrichtungen in Belgien. Ihr Kunde kann aber vertraglich verlangen, dass Sie bestimmte CyFun-Kontrollen erfüllen oder ein Zertifikat nach ISO 27001 vorlegen.
In welcher Sprache muss mein Etikett in Belgien sein?
Das hängt von Produkt und Vertriebsgebiet ab; Belgien hat drei Amtssprachen. Stimmen Sie die Sprachfassung vor dem Druck mit Ihrem Importeur ab.
Wer meldet Verpackungen in Belgien?
Der Verpackungsverantwortliche, also Hersteller oder Importeur, meist über Fost Plus oder Valipac an die IVCIE.
Welche Mehrwertsteuer gilt in Belgien?
Der Normalsatz beträgt 21 %.
Wie zeige ich einem belgischen Kunden, dass meine Systeme von außen sicher sind?
Einige CyFun-Kontrollen betreffen Systeme, die aus dem Internet erreichbar sind. veyrisk prüft Ihre externe Angriffsfläche, darunter offene Dienste, Zertifikate und die DNS- und Mail-Konfiguration, und liefert einen Bericht, den Sie dem Fragebogen beilegen können.