EU-Land · Nordeuropa
Dänemark:
Was Kunden von Lieferanten erwarten
Dänemark ist ein kleiner, aber anspruchsvoller Markt. Wer dorthin liefert, trifft auf Einkäufer, die Nachhaltigkeit und IT-Sicherheit sehr genau prüfen, und auf ein NIS2-Gesetz, das schon seit Juli 2025 gilt.
Dänemark als Markt für Südamerika
Dänemark ist ein kleines Land mit einer großen Agrar- und Lebensmittelindustrie. Für südamerikanische Exporteure ist vor allem die Futtermittelkette interessant: Die dänische Schweinehaltung braucht Eiweißfutter, und Sojaschrot kommt zu einem guten Teil aus Brasilien und Argentinien. Dazu kommen Kaffee, Obst und Wein. Softwarehäuser aus Montevideo oder Medellín finden Kunden bei Reedereien, Energieversorgern und in der Pharmaindustrie.
Der wichtigste Hafen ist Aarhus. Nach Angaben des Hafens laufen über 70 % der Container von und nach Dänemark über Aarhus. Ware aus Südamerika kommt oft nicht direkt, sondern über einen Umschlaghafen an der Nordsee und dann per Zubringerschiff oder Lkw. Für Ihre Kalkulation heißt das: Fragen Sie Ihren Spediteur, über welchen Hafen die Ware in die EU eingeführt wird. Dort wird sie verzollt, nicht unbedingt in Dänemark.
Was überall in der EU gleich ist und was national gilt
Zoll, Ursprungsregeln und Produktrecht sind in der ganzen EU gleich. Ein Container Soja aus Paraná wird in Aarhus nach demselben Zolltarif behandelt wie in Rotterdam. Seit dem 01.05.2026 wird der Handelsteil des EU-Mercosur-Abkommens vorläufig angewendet; die Zollpräferenz gilt damit auch für dänische Kunden. Die Grundlagen stehen im Leitfaden zum Export in die EU.
National unterschiedlich sind andere Punkte. Pflichtangaben für Verbraucher, etwa auf Lebensmittelverpackungen und in Bedienungsanleitungen, gehören auf Dänisch auf die Ware. Der Normalsatz der Mehrwertsteuer liegt bei 25 %. Für Verpackungen gibt es eine Herstellerverantwortung: Wer verpackte Ware in Dänemark in Verkehr bringt, muss sich im Register von Dansk Producentansvar eintragen. In der Regel ist das Ihr Importeur. Klären Sie das im Vertrag, denn manche Kunden schieben diese Pflicht an den Lieferanten weiter.
NIS2 in Dänemark
Dänemark hat die NIS2-Richtlinie mit dem NIS 2-loven umgesetzt (lov nr. 434 af 6. maj 2025). Das Gesetz gilt seit dem 01.07.2025. Die Registrierungsfrist für betroffene Unternehmen endete am 01.10.2025; die Anmeldung läuft über Virk.dk.
Die Aufsicht ist nach Sektoren verteilt. Die Styrelsen for Samfundssikkerhed (SAMSIK) koordiniert und ist die zentrale Anlaufstelle. Für Lebensmittel ist die Fødevarestyrelsen zuständig, für Cloud und Rechenzentren die Digitaliseringsstyrelsen, für Häfen und Verkehr die Trafikstyrelsen. Meldungen über Vorfälle gehen an das nationale CSIRT beim militärischen Nachrichtendienst. Energie, Telekommunikation und Finanzsektor haben eigene Gesetze.
Die Fristen entsprechen der Richtlinie: Frühwarnung binnen 24 Stunden, Meldung binnen 72 Stunden, Abschlussbericht nach einem Monat. Eine Besonderheit: Geldstrafen verhängen in Dänemark Gerichte, nicht die Behörde.
Für Sie als Lieferant zählt § 6 des Gesetzes. Er verpflichtet Ihren Kunden, die Sicherheit seiner Lieferkette zu steuern. Diese Pflicht landet als Vertragsklausel bei Ihnen: Meldefristen, Zugriffsregeln, Nachweise über Ihre Sicherheitsmaßnahmen. Die Nachweise sammeln Sie am besten dort, wo Sie auch die Maßnahmen planen; Sightadel verbindet dafür NIS2-Anforderungen mit Aufgaben, Zuständigen und Belegen.
Datenschutz und Lieferkette
Die Datenschutzaufsicht ist das Datatilsynet. Es überwacht die DSGVO in Dänemark. Wenn Sie für einen dänischen Kunden personenbezogene Daten verarbeiten, etwa in einer Kundendatenbank oder einer Personalsoftware, brauchen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Bei Datenflüssen in Ihr Land kommen Standardvertragsklauseln dazu, es sei denn, Ihr Land hat einen Angemessenheitsbeschluss der EU. Für Argentinien, Brasilien und Uruguay hat die EU Angemessenheitsbeschlüsse erlassen; dorthin dürfen Daten ohne Standardvertragsklauseln fließen. Für Chile, Kolumbien, Peru, Ecuador, Paraguay und Bolivien gibt es keinen Beschluss.
Ein eigenes Lieferkettengesetz nach deutschem oder französischem Vorbild hat Dänemark nicht. Große dänische Unternehmen bereiten sich auf die CSDDD vor und fragen schon heute nach Menschenrechten, Umwelt und Herkunft. Bei Soja, Rindfleisch, Kaffee und Holz kommt die EUDR hinzu.
Was dänische Kunden typischerweise verlangen
Dänische Einkäufer fragen früh nach Nachhaltigkeit. In der Futtermittel- und Fleischbranche sind Nachweise zur entwaldungsfreien Herkunft von Soja üblich, und die großen Abnehmer verlangen Geodaten der Anbauflächen, bevor die EUDR sie dazu zwingt. Für Lebensmittel erwartet der Handel meist ein Zertifikat nach einem GFSI-anerkannten Standard wie IFS, BRCGS oder FSSC 22000.
IT-Dienstleister bekommen Sicherheitsfragebögen, die sich an NIS2 und ISO 27001 orientieren. Typische Fragen betreffen Meldefristen, Zugriff auf Produktionsdaten und Penetrationstests. Einen Penetrationstest ersetzt das nicht, aber für den von außen sichtbaren Teil liefert veyrisk einen Bericht zu offenen Diensten, Zertifikaten, bekannten Schwachstellen und der Mail-Konfiguration Ihrer Domains. In der Pharmaindustrie kommen GMP-Anforderungen und Audits beim Lieferanten dazu. Rechnen Sie damit, dass Ihr Kunde den Vertrag auf Englisch führt und Dokumente auf Englisch akzeptiert. Dänisch brauchen Sie in erster Linie auf Etiketten für Verbraucher.
So gehen Sie vor:
- Fragen Sie Ihren dänischen Kunden, ob er unter das NIS 2-loven fällt und welche Anforderungen er an Lieferanten stellt.
- Klären Sie im Vertrag, wer die Verpackungen bei Dansk Producentansvar meldet.
- Legen Sie Geodaten und Herkunftsnachweise für Soja, Kaffee oder Rindfleisch bereit, bevor der Abnehmer sie anfordert.
- Richten Sie einen Meldeweg für Sicherheitsvorfälle ein, der die vertragliche Frist sicher schafft.
Anlaufstellen
| Stelle | Wofür |
|---|---|
| Câmara de Comércio Dinamarquesa-Brasileira, São Paulo | Kontakte zu dänischen Firmen in Brasilien |
| Trade Council im Generalkonsulat São Paulo, Botschaften in Santiago de Chile und Bogotá | Handelsförderung Dänemarks in Lateinamerika |
| ProChile, Büro Stockholm | zuständig auch für Dänemark, für chilenische Exporteure |
| Toldstyrelsen | dänische Zollbehörde |
| Enterprise Europe Network | Partnersuche und Beratung zu EU-Recht |
| Dansk Producentansvar | Verpackungsregister |
Die Handelsabteilungen Ihrer eigenen Botschaft in Kopenhagen kennen Importeure und Messen. Fragen Sie dort zuerst, bevor Sie Beratung einkaufen.
FAQ
Muss ich mich als Lieferant aus Südamerika nach dem dänischen NIS2-Gesetz registrieren?
Wer meldet meine Verpackungen in Dänemark an?
Welche Sprache brauche ich auf dem Etikett?
Wie hoch ist die Mehrwertsteuer in Dänemark?
Welches Werkzeug hilft bei einem Sicherheitsfragebogen eines dänischen Kunden?
- Lov nr. 434 af 6. maj 2025 (NIS 2-loven), Retsinformation
- BEK nr. 620 af 2. juni 2025, Retsinformation
- Styrelsen for Samfundssikkerhed: NIS 2
- Datatilsynet
- Europäische Kommission: Angemessenheitsbeschlüsse
- Europäische Kommission, Your Europe: Mehrwertsteuersätze
- Dansk Producentansvar: Emballage
- Aarhus Havn
- Udenrigsministeriet: The Trade Council i Brasilien
- Udenrigsministeriet: Danske netværk i Brasilien
- Gobierno de Chile: Agregadurías en Suecia (ProChile)
Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die amtlichen Texte.
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