EU-Land · Mitteleuropa
Polen:
Was Kunden von Lieferanten erwarten
Polen produziert viel für Kunden in Deutschland und Westeuropa. Wer an polnische Firmen liefert, landet deshalb oft in Lieferketten, deren Regeln am Ende ein Konzern in Stuttgart oder Paris bestimmt.
Polen als Markt für Südamerika
Polen hat eine große Lebensmittel- und Fleischindustrie und viele Zulieferer der Auto- und Möbelindustrie. Aus Südamerika kommen vor allem Futtermittel wie Sojaschrot, Kaffee, Obst, Säfte und Wein. IT-Dienstleister aus Lateinamerika finden Kunden bei polnischen Softwarehäusern und Konzernzentralen, die selbst für westeuropäische Auftraggeber arbeiten.
Der wichtigste Hafen ist Gdańsk. Er bezeichnet sich als größter Containerhafen der Ostsee; das Containerterminal heißt Baltic Hub. Daneben gibt es Gdynia und Szczecin-Świnoujście. Ob Ihre Ware direkt nach Gdańsk geht oder über einen Nordseehafen, hängt vom Liniendienst ab; fragen Sie Ihren Spediteur.
Was überall in der EU gleich ist und was national gilt
Zoll und Produktrecht sind EU-weit gleich. Seit dem 01.05.2026 wird der Handelsteil des EU-Mercosur-Abkommens vorläufig angewendet, auch für Lieferungen nach Polen. Die Einzelheiten stehen im Leitfaden zum Export in die EU.
National geregelt sind die Sprache, die Mehrwertsteuer und die Verpackungen. Informationen für Verbraucher, Etiketten und Anleitungen müssen nach dem polnischen Sprachgesetz auf Polnisch vorliegen. Der Normalsatz der Mehrwertsteuer liegt bei 23 %.
Wer verpackte Ware in Polen in Verkehr bringt, muss sich im Register BDO eintragen (Baza danych o produktach i opakowaniach oraz o gospodarce odpadami). Das Register führen die Marschälle der Woiwodschaften, die Anmeldung läuft online. In der Regel trifft die Pflicht Ihren Importeur. Prüfen Sie trotzdem, wer im Vertrag dafür zuständig ist. Seit dem 12.08.2026 gilt zusätzlich die EU-Verpackungsverordnung (EU) 2025/40.
NIS2 in Polen
Polen hat die NIS2-Richtlinie durch eine Novelle des bestehenden Gesetzes über das nationale Cybersicherheitssystem umgesetzt (ustawa o krajowym systemie cyberbezpieczeństwa, kurz KSC). Die Novelle vom 23.01.2026 wurde am 02.03.2026 im Gesetzblatt verkündet (Dz.U. 2026 poz. 252) und gilt seit dem 03.04.2026.
Die Aufsicht liegt bei den Fachministerien, etwa beim Digitalministerium für digitale Dienste, beim Landwirtschaftsminister für Lebensmittel und beim Wirtschaftsminister für die verarbeitende Industrie. Vorfälle gehen an eines der drei nationalen CSIRT; für die meisten Unternehmen ist das CSIRT NASK zuständig. Das Antragsfenster für die Eintragung in das Verzeichnis der wesentlichen und wichtigen Einrichtungen lief bis zum 03.10.2026.
Die Fristen: Frühwarnung binnen 24 Stunden nach Erkennen, Meldung binnen 72 Stunden, Abschlussbericht nach einem Monat. Bestehende Einrichtungen haben bis zum 03.04.2027 Zeit, ihr Sicherheitsmanagement aufzubauen. Bußgelder dürfen erst ab dem 03.04.2028 verhängt werden, dann aber auch persönlich gegen die Leitung, bis zu 300 % ihrer Vergütung.
Für Sie als Lieferant zählt Art. 8 des Gesetzes: Er verlangt ein Managementsystem für Informationssicherheit, das die Lieferkette ausdrücklich einschließt. Polnische Kunden bauen das bis April 2027 auf, und in dieser Zeit kommen die Fragebögen. Wer bis dahin seine Maßnahmen und Belege geordnet hat, etwa in Sightadel, beantwortet sie mit wenig Aufwand.
Datenschutz und Lieferkette
Die Datenschutzaufsicht ist der Präsident des Amts für den Schutz personenbezogener Daten (Prezes UODO). Er überwacht die DSGVO in Polen. Wenn Sie für einen polnischen Kunden personenbezogene Daten verarbeiten, brauchen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag und bei Datenflüssen in ein Land ohne Angemessenheitsbeschluss Standardvertragsklauseln. Für Argentinien, Brasilien und Uruguay hat die EU Angemessenheitsbeschlüsse erlassen; dorthin dürfen Daten ohne Standardvertragsklauseln fließen. Für Chile, Kolumbien, Peru, Ecuador, Paraguay und Bolivien gibt es keinen Beschluss.
Ein nationales Lieferkettengesetz hat Polen nicht. Viele polnische Firmen liefern aber an deutsche Kunden, die das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz anwenden, und geben dessen Anforderungen an ihre eigenen Lieferanten weiter. Auf EU-Ebene gilt künftig die CSDDD; bei Soja, Kaffee, Rindfleisch und Holz die EUDR.
Was polnische Kunden typischerweise verlangen
In der Lebensmittelindustrie ist ein Zertifikat nach IFS oder BRCGS verbreitet, weil viele polnische Hersteller für deutsche und französische Handelsketten produzieren. Für Futtermittel wie Sojaschrot verlangen die Abnehmer GMP+ oder ein vergleichbares Futtermittelzertifikat und seit der EUDR die Geodaten der Anbauflächen.
Zulieferer der Autoindustrie arbeiten oft für deutsche Hersteller und müssen deren Anforderungen weitergeben. Wer dort Software, Daten oder Prototypenteile liefert, wird nach TISAX gefragt. IT-Dienstleister bekommen Fragebögen nach NIS2 und ISO 27001.
So gehen Sie vor:
- Fragen Sie Ihren polnischen Kunden, ob er im Verzeichnis nach dem KSC-Gesetz eingetragen ist und bis wann er sein Sicherheitsmanagement aufbaut.
- Klären Sie, wer im BDO-Register eingetragen ist, bevor die erste Ladung kommt.
- Prüfen Sie, ob Ihre Ware am Ende bei einem deutschen Konzern landet, und fragen Sie nach dessen Lieferantenkodex.
- Liefern Sie polnische Etiketten und Anleitungen oder vereinbaren Sie, wer sie erstellt.
Anlaufstellen
| Stelle | Wofür |
|---|---|
| Polska Agencja Inwestycji i Handlu (PAIH), Auslandshandelsbüro São Paulo | Handelsförderung Polens in Brasilien |
| Krajowa Administracja Skarbowa (KAS) | polnische Steuer- und Zollverwaltung |
| CSIRT NASK | Vorfallmeldungen für die meisten Unternehmen |
| Register BDO, Marschallämter | Verpackungen und Abfall |
| Enterprise Europe Network | Partnersuche und Beratung zu EU-Recht |
Die Handelsabteilung Ihrer Botschaft in Warschau kennt Importeure, Messen und Ausschreibungen. Fragen Sie dort, bevor Sie Beratung einkaufen.
FAQ
Seit wann gilt NIS2 in Polen?
Was ist das BDO-Register?
In welcher Sprache brauche ich Etiketten für Polen?
Wie hoch ist die Mehrwertsteuer in Polen?
Was erwartet ein polnischer Kunde in einem NIS2-Fragebogen?
- Dz.U. 2026 poz. 252, Dziennik Ustaw
- Ministerstwo Cyfryzacji: Nowelizacja ustawy o KSC zaczyna obowiązywać
- System S46: Wykaz KSC
- Urząd Ochrony Danych Osobowych
- Europäische Kommission: Angemessenheitsbeschlüsse
- Europäische Kommission, Your Europe: Mehrwertsteuersätze
- Ministerstwo Klimatu i Środowiska: Rejestr BDO
- Port Gdańsk
- PAIH: Agenda Webinar Brasilien, 19.03.2026
Allgemeine Informationen, keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die amtlichen Texte.
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