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EU-Land · Südosteuropa

Rumänien:
Tor am Schwarzen Meer

Rumänien hat mit Constanța den größten Hafen am Schwarzen Meer und eine einzige Behörde für die Cybersicherheit aller Sektoren. Die NIS2-Regeln gelten seit Anfang 2025 und werden inzwischen durchgesetzt.

AmtsspracheRumänisch
SeehafenConstanța (Schwarzes Meer)
NIS2-UmsetzungOUG 155/2024, bestätigt durch Legea 124/2025
DatenschutzbehördeANSPDCP
Mehrwertsteuer21 % Normalsatz

Rumänien als Markt für Südamerika

Rumänien gehört zu den größeren Märkten im Osten der EU. Die Industrie reicht von Fahrzeugbau (Dacia in Mioveni, Ford in Craiova) über Maschinenbau bis zur Lebensmittelverarbeitung. In Bukarest, Cluj-Napoca und Iași arbeiten viele IT-Firmen für Kunden in Westeuropa. Für Anbieter aus Südamerika kommen Lebensmittel und Agrarwaren infrage, aber auch Vorprodukte und Software. Welche Waren Rumänien heute aus Ihrem Land bezieht, zeigt die Außenhandelsdatenbank von Eurostat (Comext).

Der Hafen Constanța ist der größte Hafen am Schwarzen Meer und hat Containerterminals. Ein Teil der Übersee-Ware kommt aber über Häfen in Westeuropa oder an der Adria und erreicht Rumänien per Lkw oder Bahn. Welche Route günstiger ist, hängt von Reederei, Ware und Zielort ab.

Was überall in der EU gleich ist und was national gilt

Zollsätze, Ursprungsregeln und Produktvorschriften gelten in Rumänien wie in jedem anderen EU-Land. Details finden Sie im Leitfaden Exportieren in die EU.

Auf diese nationalen Punkte sollten Sie achten:

  • Sprache: Etiketten, Anleitungen und Garantiebedingungen für Verbraucher werden auf Rumänisch erwartet. Das regelt das nationale Verbraucherrecht; Ihr Importeur kennt die Details.
  • Verpackung: Für Getränkeverpackungen gibt es ein Pfandsystem (Sistemul de Garanție-Returnare, SGR) nach der Regierungsverordnung HG 1074/2021, betrieben von RetuRO. Hersteller und Händler müssen sich dort registrieren; wer das versäumt, riskiert Bußgelder.
  • Steuern: Der Normalsatz der Mehrwertsteuer liegt bei 21 %. Landeswährung ist der Leu (RON).
  • Behörden: Für den Zoll ist die Autoritatea Vamală Română zuständig.

Bei der Mehrwertsteuer unterscheiden Sie zwei Fälle. Für Waren zahlt der Importeur die Einfuhrumsatzsteuer bei der Abfertigung und zieht sie später als Vorsteuer ab. Für Dienstleistungen an rumänische Unternehmen, zum Beispiel Wartung von Anlagen aus der Ferne oder Softwareentwicklung, schreiben Sie die Rechnung ohne rumänische Steuer; Ihr Kunde schuldet sie selbst (Art. 196 der Mehrwertsteuerrichtlinie). Lassen Sie sich die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer geben und prüfen Sie sie im Register VIES der Kommission.

NIS2 in Rumänien

Rumänien hat NIS2 per Eilverordnung umgesetzt: die Ordonanța de urgență nr. 155/2024, veröffentlicht am 31.12.2024 im Monitorul Oficial. Das Parlament hat sie mit dem Gesetz 124/2025 im Juli 2025 bestätigt und dabei ergänzt. Das alte NIS1-Gesetz 362/2018 ist aufgehoben.

Zuständig ist das Directoratul Național de Securitate Cibernetică (DNSC). Es beaufsichtigt alle Sektoren, ist zugleich nationales CSIRT und führt das Register der wesentlichen und wichtigen Einrichtungen. Einige Sektoren haben zusätzlich eigene Behörden, etwa ANCOM für Telekommunikation. Betroffene Unternehmen müssen sich binnen 30 Tagen beim DNSC melden. Praktisch möglich wurde das erst mit zwei Anordnungen des DNSC, die am 20.08.2025 veröffentlicht wurden; die Frist für Unternehmen, die schon betroffen waren, ist inzwischen abgelaufen. Eine Besonderheit: Mittlere Anbieter von verwalteten Sicherheitsdiensten gelten in Rumänien bereits als wesentliche Einrichtungen.

Für Sie als Lieferant heißt das: Ihr rumänischer Kunde muss eine Risikobewertung und eine Selbstbewertung seines Reifegrads beim DNSC einreichen. Dabei wird er auch seine Dienstleister prüfen. Wer als Softwarehaus aus Montevideo für einen rumänischen Energieversorger arbeitet, sollte Meldewege, Zugriffsrechte und Updates belegen können.

Bereiten Sie die Antworten vor, bevor der Fragebogen kommt. Dazu gehören eine Kontaktperson für Sicherheitsvorfälle, die auch nachts und am Wochenende erreichbar ist, eine Liste Ihrer Unterauftragnehmer und Cloud-Anbieter, Belege für Datensicherungen und Updates sowie eine kurze Beschreibung, wie Sie Zugänge vergeben und wieder entziehen. Wer diese Unterlagen auf Englisch bereithält, spart in jeder Ausschreibung Zeit. In einer GRC-Plattform wie Sightadel lassen sich diese Unterlagen als Nachweise zu den NIS2-Anforderungen ablegen und aktuell halten.

Datenschutz und Lieferkette

Es gilt die DSGVO. Aufsicht ist die Autoritatea Națională de Supraveghere a Prelucrării Datelor cu Caracter Personal (ANSPDCP). Für Auftragsverarbeitung brauchen Sie einen Vertrag nach Art. 28 DSGVO; für Übermittlungen in ein Land ohne Angemessenheitsbeschluss Standardvertragsklauseln.

Ein nationales Lieferkettengesetz gibt es nicht. Die Anforderungen kommen über internationale Konzerne und über die EU-Regeln zur CSDDD.

Was rumänische Kunden typischerweise verlangen

Viele rumänische Industriekunden gehören zu westeuropäischen Konzernen. Sie übernehmen deren Lieferantenregeln: ISO 9001 als Grundlage, in der Autoindustrie IATF 16949, bei Lieferanten deutscher Hersteller auch TISAX. Für IT-Dienstleister ist ISO 27001 der übliche Nachweis, zumal ihre Kunden selbst unter NIS2 fallen können.

Handelsketten und Lebensmittelverarbeiter verlangen Zertifikate wie IFS oder BRCGS (Lebensmittelsicherheit). Bei Agrarwaren wie Soja oder Rindfleisch kommt die Sorgfaltspflicht nach der EUDR hinzu.

Anlaufstellen

  • Die Camera de Comerț și Industrie a României (CCIR) ist die nationale Handelskammer; die Bukarester Kammer (CCIB) hat mit der brasilianischen Botschaft ein rumänisch-brasilianisches Wirtschaftsforum veranstaltet.
  • Die rumänischen Botschaften in Südamerika haben Wirtschaftsabteilungen.
  • Das Enterprise Europe Network hat Kontaktstellen in Rumänien.
  • Für Einfuhr und Tarife ist die Autoritatea Vamală Română zuständig.

FAQ

Wer ist in Rumänien für NIS2 zuständig?
Das DNSC (Directoratul Național de Securitate Cibernetică). Es ist Aufsicht, CSIRT und Registerstelle zugleich.
Seit wann gilt NIS2 in Rumänien?
Die Eilverordnung OUG 155/2024 wurde am 31.12.2024 veröffentlicht. Das Parlament hat sie mit dem Gesetz 124/2025 bestätigt.
Wie hoch ist die Mehrwertsteuer in Rumänien?
Der Normalsatz beträgt 21 %.
Liefert man nach Rumänien besser über Constanța?
Das hängt von der Reederei und vom Zielort ab. Fragen Sie Ihren Spediteur nach beiden Wegen, über Constanța und über westeuropäische Häfen.
Wie belege ich Updates und Schwachstellenmanagement gegenüber einem rumänischen Kunden?
Mit Ihren internen Belegen und mit einem Blick von außen. veyrisk prüft, welche Dienste und Schwachstellen Ihrer Systeme aus dem Internet sichtbar sind und ob Zertifikate und Mail-Konfiguration stimmen. Den Bericht kann Ihr Kunde für die Selbstbewertung nutzen, die er beim DNSC einreicht.